Forschungsprojekt
Prof. Dr. Werner Oechslin, Dr. Sonja Hildebrand u.a.
 



Gottfried Semper ist ein Jahrhundertarchitekt. Wie Karl Friedrich Schinkel im deutschsprachigen Raum die erste Hälfte des Jahrhunderts prägte, so dominierte Semper die zweite. Als Theaterarchitekt besass er europäischen Rang, im Schulbau und als Städtebauer schuf er wegweisende Werke. Das praktische Entwerfen war von Anfang an von theoretischer Reflexion begleitet. Semper beschränkte sich dabei nicht auf einen „autonomen“ Bereich der Kunst, sondern richtete den Blick auf die gesamte Kultur und ihre Geschichte, auf Natur- und Sprachwissenschaft. Seine weit über Spezialfragen der Architektur hinausgehenden Arbeiten weisen Semper eine zentrale Rolle in der Geistesgeschichte des 19. Jahrhunderts zu. In der Ausstellung wurden Theorie und architektonisches Werk in Verbindung gesetzt, ohne einsträngige Ableitungen zu behaupten.

Die Theoriebildung und die eng damit verknüpfte Lehrtätigkeit in Dresden, London und Zürich begründeten Sempers Ausstrahlung und Wirkung. Mit seinem „Bekleidungsprinzip“ bildet er einen wichtigen Bezugspunkt in der aktuellen Diskussion um das Verhältnis von „Tektonik“ und „Verkleidung“ oder Dekoration. Sempers Aktualität hat ihren Grund aber noch in anderen, prinzipiellen Qualitäten seines Werks: dem Zusammengehen von Theorie und Praxis und einer Betrachtungsweise, die Natur- und Geisteswissenschaften zusammenführt. Darin besteht Sempers tiefere Bedeutung für die Architektur, aber auch für die Wissenschafts- und Kulturgeschichte. Die Frage der Aktualität von Sempers Architektur und Städtebau, seiner Lehrpraxis und Architekturtheorie wurden im Begleitprogramm zur Ausstellung in Vorträgen und Podiumsgesprächen zur Diskussion gestellt.

Zur Ausstellung erschien eine Publikation mit Textbeiträgen und einem kritischem Katalog des architektonischen Gesamtwerks:

Winfried Nerdinger, Werner Oechslin (Hg.), Gottfried Semper 1803–1879. Architektur und Wissenschaft, München/Zürich: Prestel und gta Verlag 2003, mit Beiträgen von Bernd Altmann, Michael Gnehm, Andreas Hauser, Sonja Hildebrand, Christoph Hölz, Heidrun Laudel, Bruno Maurer, Gisela Moeller, Winfried Nerdinger, Werner Oechslin, Salvatore Pisani und Dieter Weidmann

Laufzeit: 2001 – 2004

Kontakt

Dr. habil. Sonja Hildebrand